Puh, das war ein Trip. Mit circa einer Woche Verspätung und ein paar wunderschönen Erinnerungen aus Istanbul und Singapur im Gepäck, sind wir dann endlich in Christchurch eingetrudelt. Dort wollten wir unseren Camper Van ursprünglich am 08.03.2026 in Empfang nehmen. Durch die „Unbequemlichkeiten“ wurde es dann doch erst am 14.03.2026 etwas… besser spät als nie 😅
Aber kurz nochmal ein Schritt zurück: Nachdem Istanbul schon ein sehr guter Auftakt war, ging es von dort ja noch nach Singapur weiter. In Singapur hatten wir lediglich eine Nacht Aufenthalt, was leider viel zu kurz war. Im Endeffekt haben wir nur einen schnellen Ausflug in die Stadt geschafft, bevor es wieder zum Flughafen ging. Also fix einmal durch die Gardens by the Bay spaziert und die Aussicht auf dem Marina Bay Sands genoßen. Wenn ich mich richtig erinnere, hätte der Eintritt für die Aussichtsplattform eigentlich 50€ gekostet, aber Dank Linnea durften wir ohne Bezahlen an der Schlange vorbei in den Aufzug, der uns in Windeseile die 50 Stockwerke gen Himmel befördert hat 🙂 Der Blick war sehr beeindruckend und wir waren ein wenig traurig, dass wir so schnell wieder los mussten. Das Flair der Stadt und die netten Leute sollten uns dann aber dazu bewegen ein paar Monate später, auf dem Rückflug, noch einmal einen etwas längeren Stopp dort einzulegen. Dazu später mehr.
Der Flug nach Neuseeland selbst verlief dann natürlich ebenfalls nicht ohne Komplikationen und wir mussten in Sydney auf unseren Flieger nach Christchurch warten (der aus Dubai kam und deswegen den Zeitplan nicht einhalten konnte). Am Ende des Tages haben wir dadurch unseren PickUp in Christchurch verpasst und mussten eine Nacht im Hotel nehmen. Das hat sich aber als Segen heraus gestellt, da wir von der Reise doch ziemlich geschafft waren und erstmal 15h durchgeschlafen haben… Am nächsten Tag konnten wir frisch gestärkt und voller Elan unseren Camper Van in Empfang nehmen. Schon ein komisches Gefühl, wenn man das Gefährt sieht und realisiert, dass das für die nächsten 5-6 Wochen jetzt unser zu Hause sein wird. Ging alles super entspannt über die Bühne und wir sind gleich erstmal zum ersten Großeinkauf ins Pak’n’Save gefahren. Zum Ankommen haben wir uns anschließend einen Parkplatz am Strand gesucht, von dem aus wir auch gut die Stadt erkunden können. Christchurch hat mir richtig gut gefallen und wir haben in kurzer Zeit echt viel gesehen. Besonders die Fahrt mit der historischen Straßenbahn hat sich sehr gelohnt und wir haben einen tollen Überblick der Sehenswürdigkeiten bekommen. Christchruch wurde ja 2011 von einem sehr starken Erdbeben erschüttert, dessen Folgen immer noch im Stadtbild zu sehen sind. Der Kontrast aus historischen Gebäuden und modernen Bauten kommt dadurch gleich nochmal beeindruckender rüber. Da haben wir es uns nicht nehmen lassen und den Tag mit einem leckeren Pale Ale im Church Pub (in einer ehemaligen Kirche) ausklingen lassen. Zurück am Parkplatz mussten wir leider feststellen, dass uns irgendjemand eine ordentliche Schramme in der Fahrertür verpasst hatte… Gab auch keine Notiz oder Ähnliches, aber zum Glück blieb das während der gesamten Reise auch der einzige Vorfall und hatte für uns keine Konsequenzen, nachdem wir es direkt bei unserem Camper Van Vermieter gemeldet hatten. Wir waren übrigens mit einem Indie Camper unterwegs und im Großen und Ganzen echt zufrieden – sowohl mit dem Fahrzeug, als auch mit dem Service (für den Fall, dass jemand mal einen Camper in Neuseeland mieten will).
Nach den zwei Tagen in Christchurch ging die Reise dann so richtig los. Die ersten Stunden auf der Straße. Die ersten Kilometer mit dem Camper Van. Die erste Zeit von Linnea im Kindersitz 😅 War nicht immer einfach, aber Xenia hat echt ein überragenden Job als Entertainerin auf der Rückbank vollbracht. Ich konnte mich gut aufs Fahren konzentrieren und wir haben versucht die Strecken nicht zu lang werden zu lassen (auf der rechten Seite eine grobe Übersicht unserer Route). Von daher ging es die ersten Tage gar nicht so weit, aber wir konnten uns unter anderem Castle Hill (der ein oder andere wird es aus Narnia oder Herr der Ringe kennen) ansehen, am Rakaia Gorge Campground (wunderschön 🤩) übernachten und den Lake Clearwater bestaunen. Bei Letzterem war das ursprünglich Ziel eigentlich ebenfalls ein Schauplatz von Herr der Ringe – Edoras, die Hauptstadt von Rohan. Da uns die Schotterstraße auf dem Weg dorthin jedoch ziemlich durchgeschüttelt hat, wollten wir weder Linnea, noch unseren Camper zu sehr in Mitleidenschaft ziehen und haben auf halben Weg Kehrt gemacht. Eigentlich wollten wir dann direkt weiter in den Süden, aber unglücklicherweise hatte Linnea aus der Anfangsphase ein kleines Fieber mitgebracht. Da wir keinen Zeitstress hatten und es ohnehin ruhig angehen wollten, haben wir uns eine passende Unterkunft in der Nähe gesucht und sind für drei Tage in Methven „hängen“ geblieben. Der lustige Zufall an der Sache war, dass Jake ebenfalls ausgerechnet in Methven schon mal ein Jahr gelebt hat, als er früher für einige Zeit in Neuseeland war. So klein ist die Welt manchmal 🙂

Die Zeit in Methven hat Linnea sehr gut getan und wir konnten am 21. März frohen Mutes unsere Reise fortsetzen. Auf dem Plan standen ein paar der wunderschönen Seen im Aoraki / Mount Cook National Park. Hier konnten wir schon einen kleinen Eindruck gewinnen, was uns den Rest unseres Roadtrips noch erwarten sollte: Jeden Tag wacht man auf und denkt, dass es nicht viel toller werden kann und dann überrascht Neuseeland einen immer wieder aufs Neue. Die Natur ist einfach so unglaublich schön und gefühlt wartet hinter jeder Kurve eine neue Überraschung. Am Lake Tekapo war der Zeltplatz schon ausgebucht, weswegen wir kurzer Hand zum Lake McGregor weiter gefahren sind. Dort war es zwar Nachts recht kalt und das Bezahlsystem etwas umständlich, aber dafür wurden wir mit einer sternenklaren Nacht belohnt. Den Lake Tekapo haben wir uns im Anschluss noch angesehen und mussten uns echt los reißen, um weiter zu fahren. Theoretisch kann man in Neuseeland an so vielen Orten die Zeit vergessen und sich treiben lassen… Die einzige Einschränkung: Wenn man auf Kaffee und Kuchen steht, muss man sich beeilen, da die meisten Cafés unerklärlicherweise bereits kurz nach dem Mittag schließen 🙄 Von Lake Tekapo aus sind wir noch schnell zum Tapataia Mahaka Peter’s Lookout am Lake Pukaki gefahren, um einen guten Blick auf Mount Cook zu erhaschen. Dort waren wir zeitgleich mit ein paar japanischen Reisebussen und es war echt spannend zu beobachten, aus wie vielen unterschiedlichen Position Fotos von der Aussicht gemacht wurden.
An und für sich wäre eine Wanderung auf den Mount Cook sicherlich auch sehr spannend gewesen, aber das haben wir uns auf die ToDo Liste geschrieben, wenn wir irgendwann in der fernen Zukunft nochmal nach Neuseeland fahren und Linnea entweder alt genug ist oder keine Lust mehr hat mitzukommen^^
Anschließend haben wir die Berge kurz hinter uns gelassen und sind über Dunedin (zwei Nächte, sehr schönes beschauliches Städtchen an der Südküste) nach Te Anau gefahren. Te Anau ist nicht nur der Ausgangspunkt für eine Fahrt zum Fjörd Milford Sound, sondern auch die Stadt mit unserem Lieblings Campingplatz (Tasman Holiday Park Te Anau) und unserem Lieblings Café (Milford Road Merchant) in Neuseeland. Wie an so vielen Orten, wären wir dort am liebsten ebenfalls noch länger geblieben, aber ehrlicherweise war Milford Sound und die Bootstour, die wir dort gemacht haben, mindestens genauso weit oben auf der Highlight-Liste. Allein schon die Fahrt dorthin war mit unzähligen beeindruckenden Stopps gespickt, von denen wir aufgrund der begrenzten Zeit nur einen kleinen Teil mitnehmen konnte. Besonders sind mir da die Eglinton Flats, Mirror Lakes und vor allem die verrückte Tunnelfahrt durch den Homer Tunnel im Gedächtnis geblieben. Da wir uns auf der Hinfahrt dementsprechend etwas Zeit gelassen haben, hatten wir Glück, dass wir noch das vorletzte Boot für eine Tour durch Milford Sound erwischt haben. Das Wetter war insgesamt ziemlich regnerisch (was für die Region anscheinend der Normalfall ist), aber das hat dem ganzen Trip etwas extra Mystisches gegeben. Für mich persönlich war die gesamte Erfahrung extrem beeindruckend und das Zweit-Schönste, was wir in Neuseeland erlebt haben. Platz Eins kommt dann auf der Nordinsel 😉
Noch völlig sprachlos von der Natur am Milford Sound ging es dann wieder zurück in Richtung der Berge, da wir über den State Highway 6 an die Westküste wollten. Weiß nicht genau, ob es einem die Sprache verschlagen kann, wenn man eh schon sprachlos ist, aber unser nächstes Ziel (Queenstown) hat das definitiv geschafft. Eine Stadt mitten in den Bergen und der ideal Ausgangspunkt für Abenteuer in Neuseeland. Da wir nicht sooooo sehr auf der Suche nach Abenteuer waren, haben wir „nur“ den guten Kaffee genossen und die Atmosphäre der Stadt auf uns einwirken lassen. Nebenbei ist unsere Future-ToDo-List für Neuseeland gleich noch um ein paar Einträge länger geworden 😅 Von Queenstown ging es gleich nach Wanaka (ebenfalls mega schön und ein ganzes Stück ruhiger / entspannter als Queenstown) und von dort über den SH 6 an die Westküste. Wie schon nach Milford Sound, war auch hier der Weg das Ziel. Viele wunderschöne Stopps und Aussichtspunkte auf dem Weg, haben die Fahrt wie im Flug vergehen lassen. Einziger Nachteil: An der Westküste fühlen sich die sehr nervigen Sandfliegen ziemlich wohl und machen einem das Leben schwer. Zum Glück waren wir nicht in der Hochsaison unterwegs… Dennoch mussten wir an einigen Orten so schnell wie möglich das Weite suchen, da wir ansonsten komplett zerstochen worden wären…
Insgesamt haben wir uns an der West Küste gar nicht so lang aufgehalten. Einerseits mussten wir rechtzeitig zur Fähre kommen, die uns auf die Nordinsel bringen sollte, und andererseits wollten wir uns nicht allzu lang mit den Sandfliegen auseinander setzen. Die Stopps waren nichtsdestotrotz wunderschön und haben Lust auf mehr gemacht. Die Küstenabschnitte, die Aussichten und die Natur laden eigentlich zu ausgiebigen Fahrradtouren / Wanderungen ein. Dafür bräuchte man aber auf jeden Fall ein paar Wochen mehr Zeit und guten Insektenschutz… Wir haben unter anderem beim Fox Glacier (inkl. 2h Wanderung), den Pancake Rocks und beim Abel Tasman National Park Halt gemacht. Letzterer war sogar soweit im Norden, dass es kaum noch Sandfliegen gab. Um den Trip auf der Südinsel entspannt ausklingen zu lassen, haben wir dann gleich drei Nächte auf dem Campingplatz „The Barn“ verbracht. Die Fahrt dorthin war ein Abenteuer für sich, da die letzten Kilometer über eine recht steile, schmale Straße führten. Wir wurden dann aber immerhin mit direktem Zugang zum Abel Tasman National Park und einem richtig tollen Campingplatz belohnt. Sehr in Erinnerung ist mir außerdem unsere Tageswanderung durch den Nationalpark geblieben. Falls man mal in der Gegend ist, darf man sich das definitiv nicht entgehen lassen. Wir haben uns per Boot zur Anchorage Bay bringen lassen und sind dann ~12km zurück zum Campingplatz spaziert. Mit Linnea in der Trage auch eine kleine Herausforderung 😉 Gibt im Park selber ebenfalls einige wunderschöne Zeltmöglichkeiten und man kann locker drei bis vier Tage nur mit Wandern und der Natur dort verbringen.
Zum Abschluss ging es für eine Nacht in die Nähe von Picton, von wo aus wir am frühen Morgen des 07.04.2026 mit der Fähre nach Wellington auf der Nordinsel aufgebrochen sind. Man sollte sich vermutlich spätestens ~10 Tage vorher um ein Ticket kümmern, aber das kann je nach Saison sicherlich variieren. Die Überquerung selbst hat 3:30h gedauert. Währenddessen konnte man entweder die Landschaft genießen oder das Schiff ein bisschen erkunden. Ging im Endeffekt echt fix vorbei und voller Vorfreude konnten wir relativ schnell Wellington am Horizont erkennen. Was wir dort erlebt haben, wie unsere Reise auf der Nordinsel weiterging und was noch alles in Australien passiert ist, hebe ich mir aber für den nächsten Beitrag auf 🙂
